9 Januar 2026
BMWs digitale Offensive und der elektrische Wandel der Neuen Klasse

BMWs digitale Offensive und der elektrische Wandel der Neuen Klasse

Auf der diesjährigen CES in Las Vegas hat BMW einen klaren Blick in die Zukunft gewährt – und die ist nicht nur elektrisch, sondern vor allem gesprächig. Der bayerische Autobauer nutzte die große Bühne der Consumer Electronics Show, um einen neuen In-Car-Assistenten vorzustellen, der weit über die bisherigen Sprachbefehle hinausgeht. Die Demonstration zeigt, dass die Interaktion zwischen Mensch und Maschine künftig so natürlich ablaufen soll wie ein Plausch unter Freunden. Ein simples „Hey BMW“ reicht aus, um komplexe Wünsche zu äußern. In der Präsentation bat der Fahrer etwa darum, die Sitzheizung und Massage zu aktivieren und gleichzeitig die Ambientebeleuchtung an die Farben seines Lieblingsfußballvereins anzupassen. Das System reagierte prompt: „Sitzheizung und Massage sind an. Rotes Licht für deinen Lieblingsverein.“

Smarte Technik dank Amazon-Architektur

Hinter dieser neuen Leichtigkeit steckt der „BMW Intelligent Personal Assistant“, der auf der Alexa+ KI-Architektur von Amazon basiert. Das System beschränkt sich dabei nicht nur auf die Steuerung von Fahrzeugfunktionen. Vielmehr verknüpft es die Bedienung des Wagens mit dem Zugriff auf externe Informationen. Laut BMW kann der Assistent mehrere Befehle in einem einzigen Satz verarbeiten und sich mit dem Amazon-Konto des Halters verbinden, um Musik zu streamen, aktuelle Nachrichten abzurufen oder andere Inhalte einzuspielen.

Die Technologie soll erstmals in der zweiten Jahreshälfte 2026 im neuen BMW iX3 zum Einsatz kommen – zunächst in den USA und Deutschland, bevor andere Märkte folgen. Damit reiht sich BMW in einen wachsenden Trend ein, denn die Konkurrenz schläft nicht. Volkswagen führte bereits 2024 einen auf ChatGPT basierenden Assistenten ein, Mercedes folgte wenig später mit einer eigenen Lösung, und auch das Start-up Rivian präsentierte kürzlich eine vergleichbare Technologie. Wenngleich die Reaktionszeiten in der BMW-Demonstration beeindruckend kurz wirkten, muss sich das System erst im realen Alltag beweisen, da das gezeigte Video unter kontrollierten Bedingungen entstand.

Der iX3 als Vorbote einer neuen Ära

Dass der iX3 als Träger dieser neuen Technologie auserkoren wurde, ist kein Zufall. Er markiert den Startschuss für die Fahrzeuge der „Neuen Klasse“. Doch er kommt nicht allein. Während der aktuelle BMW X4 sich dem Ende seiner Produktionslaufzeit nähert, verdichten sich die Hinweise, dass München die Lücke im Portfolio mit einem vollelektrischen Nachfolger schließen wird: dem iX4. Branchengerüchten zufolge wird dieses Modell jedoch kein direkter Nachfolger im klassischen Sinn, sondern eine eigenständige, vollelektrische Interpretation des beliebten SUV-Coupés.

Der iX4 wird, ebenso wie der iX3, auf der vielseitigen Plattform der Neuen Klasse stehen. Technisch sind die beiden Modelle eng verwandt, wobei der iX4 die Rolle des sportlicheren, designorientierten Pendants übernimmt. Erste Renderings, die auf Erlkönig-Fotos basieren, lassen bereits erahnen, wohin die Reise optisch geht. Die Frontpartie dürfte sich stark am iX3 orientieren, mit schmalen Scheinwerfern und einer vertikal ausgerichteten Interpretation der klassischen BMW-Niere, die als Hommage an die Designwurzeln der 1970er Jahre verstanden werden kann.

Schnittiges Design trifft auf digitales Interieur

Die wahre Differenzierung findet jedoch in der Seitenlinie und am Heck statt. Der iX4 setzt auf eine dramatischere Dachlinie, die in ein fließendes Fastback-Heck übergeht und dem Fahrzeug eine deutlich schlankere Silhouette verleiht als dem eher pragmatischen iX3. Dünne, horizontale Rückleuchten und ein subtil integrierter Dachspoiler runden den sportiven Auftritt ab. Mit einer geschätzten Länge von rund 4,78 Metern (188 Zoll) könnte er seinen Bruder minimal überragen, die Proportionen bleiben jedoch vertraut.

Im Innenraum dürfte BMW Synergien nutzen. Es ist davon auszugehen, dass das Cockpit weitgehend vom iX3 übernommen wird. Das bedeutet: Das neue „Panoramic Vision“-Display, das sich am unteren Rand der Windschutzscheibe entlangzieht, wird mit einem großen 17,9-Zoll-Zentralbildschirm kombiniert. Ein Vierspeichen-Lenkrad und ein reduziertes, fast minimalistisches Layout unterstreichen den modernen Anspruch der Neuen Klasse, wenngleich der iX4 durch exklusive Materialien und Ausstattungsoptionen wohl eine eigene Note erhalten wird.

Leistungsdaten und Marktstart

Unter dem Blechkleid wird voraussichtlich potente Technik stecken. Erwartet wird ein 108-Kilowattstunden-Akku, gekoppelt an ein 800-Volt-System, das extrem schnelle Ladezeiten ermöglicht – an entsprechenden Säulen sollen bis zu 400 Kilowatt fließen. Im Idealfall ließe sich der Akku so in rund 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. Dank der aerodynamischeren Form könnte der iX4 sogar die beim iX3 angepeilte Reichweite von über 800 Kilometern (500 Meilen) noch leicht übertreffen.

Zum Marktstart dürfte eine „50 xDrive“-Version mit zwei Elektromotoren und rund 470 PS verfügbar sein, reine Heckantriebs-Varianten könnten später folgen. Interessenten müssen sich allerdings noch etwas gedulden: Die Premiere des iX4 wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet, wobei die Produktion voraussichtlich im November anlaufen soll – zeitgleich mit der Einführung der neuen KI-Assistenten, die dann wohl auch im Coupé für Unterhaltung sorgen dürften.