Die kalte Jahreszeit stellt die Küche oft vor die Herausforderung, Balance zwischen gesundem Vitaminkick und wärmendem Wohlfühlessen zu finden. In diesem Winter rücken dabei zwei sehr unterschiedliche Protagonisten in den Fokus: eine britische Neuzüchtung, die mittlerweile auch hierzulande die Märkte erobert, und ein Klassiker der internationalen Küche, der mit rauchigen Aromen gegen nasskaltes Wetter ankämpft.
Das Comeback des Kohls in neuer Form
Lange Zeit galt Kohl als reines Überlebensmittel für harte Winter, doch mit den sogenannten „Flower Sprouts“ hat sich das Image gewandelt. Diese Kreuzung aus Grünkohl und Rosenkohl, die im Handel oft auch unter dem Namen Kalettes oder schlicht Kohlröschen zu finden ist, besticht durch gekräuselte, grün bis violett gefärbte Blätter. Geschmacklich unterscheiden sich die Röschen deutlich von ihren robusten Verwandten: Sie sind milder und weisen ein feines, nussiges Aroma auf.
Als typisches Wintergemüse haben Flower Sprouts eine Saison, die etwa von November bis Mitte März reicht. Wer sie probieren möchte, wird vor allem auf gut sortierten Wochenmärkten oder beim Gemüsehändler fündig, zunehmend aber auch in Supermärkten. Allerdings ist das Trendgemüse kein ganz billiges Vergnügen; für 500 Gramm müssen Konsumenten oft mit Preisen zwischen 8 und 12 Euro rechnen.
Qualität erkennen und richtig lagern
Beim Einkauf lohnt sich ein genauer Blick. Anders als beim fest geschlossenen Rosenkohl liegen die Blätter hier locker um die etwa fünf Zentimeter großen Köpfchen. Frische erkennt man an den Schnittstellen der Stiele – diese sollten nicht ausgetrocknet wirken – sowie an der Abwesenheit gelber oder welker Blätter. Zuhause angekommen, gehören die Röschen ins Gemüsefach des Kühlschranks, wo sie sich gut eine Woche frisch halten.
Ein interessanter Aspekt für Hobbygärtner ist die Möglichkeit, das Gemüse im eigenen Garten zu kultivieren. Flower Sprouts gedeihen auf humosen Böden an sonnigen bis halbschattigen Plätzen. Da sie zu den Starkzehrern zählen, ist eine regelmäßige Düngung notwendig. Die Pflanzen können ab Ende März im Haus vorgezogen und im Mai ins Freiland gesetzt werden, die Ernte erfolgt dann je nach Sorte bis in den Februar hinein. Wichtig ist hierbei die Fruchtfolge: Man sollte sie nicht mehrere Jahre hintereinander am selben Standort anbauen.
Vielseitigkeit in der Zubereitung
In der Küche zeigen sich die Kalettes unkompliziert. Nach kurzem Waschen und dem Einkürzen des Strunks ist die Garzeit erfreulich kurz. Zwei bis fünf Minuten in Salzwasser oder kurz in der Pfanne gedünstet reichen völlig aus. Diese Schnelligkeit macht sie ideal für Wok-Gerichte.
Kombinieren lässt sich der Minikohl hervorragend mit deftigen Fleischgerichten wie Geselchtem oder Würsteln, passt aber ebenso gut als Beilage zu Fisch. Auch zu Erdäpfeln – sei es als Bratkartoffelgericht oder Püree – sowie zu Pasta und Reis ist er eine delikate Ergänzung. Wer es noch frischer mag, kann Flower Sprouts sogar als Salat servieren. Dafür wird das Gemüse nur ganz kurz blanchiert, um die Farbe zu erhalten, und anschließend mit Paradeisern, Radieschen oder süßlichem Obst wie Birnen kombiniert. Ein Dressing aus Essig und Öl sowie ein Topping aus Nüssen runden den gesunden Teller ab. Ernährungsphysiologisch punkten die Röschen mit viel Eisen, Kalzium sowie den Vitaminen K, C und B6.
Ein Hauch von Lateinamerika im Suppentopf
Wem der Sinn nach etwas sämigerem steht, für den bietet sich ein Blick in die internationale Küche an. Eine cremige schwarze Bohnensuppe, inspiriert von lateinamerikanischen Aromen, ist genau das Richtige für graue Tage. Das Gericht lebt von der Erinnerung an familiäre Tafeln, wo Bohnen oft mit würzigem Fleisch und frischer Salsa kombiniert wurden. Diese Suppe fängt genau diese Essenz ein: die milde Cremigkeit der schwarzen Bohnen trifft auf eine rauchige Tiefe und eine leichte Schärfe.
Der Schlüssel zum unverwechselbaren Geschmack liegt im geräucherten Paprikapulver. Es unterstreicht die natürliche Süße von rotem Paprika und verleiht der Suppe eine Komplexität, die mit jedem Löffel nachhallt. Jalapeños sorgen für die nötige, aber nicht übertriebene Schärfe, die wunderbar mit der Säure der Paradeiser und der reichhaltigen Basis aus Hühner- oder Gemüsebrühe harmoniert.
Zubereitung für den Alltag
Die Schönheit dieses Rezepts liegt in seiner Einfachheit, denn es steht in weniger als einer Stunde auf dem Tisch. Zunächst werden Zwiebeln, gewürfelte Roma-Paradeiser, roter Paprika und Jalapeños in Pflanzenöl angeschwitzt, bis sie weich sind. Knoblauch, Oregano, Kreuzkümmel und das wichtige geräucherte Paprikapulver kommen hinzu, bevor die abgetropften schwarzen Bohnen und die Brühe den Topf füllen.
Nach dem Köcheln entscheidet der persönliche Geschmack über die Konsistenz. Ein Teil der Suppe wird püriert – entweder im Standmixer oder direkt im Topf mit dem Pürierstab – und wieder mit dem Rest vermengt. So entsteht eine Mischung aus sämiger Bindung und rustikalen Stückchen. Abgeschmeckt wird final mit Salz und Pfeffer.
Serviert wird dieser wärmende Eintopf am besten mit frischen Beilagen, die man nach Belieben variieren kann: Ein Klecks Sauerrahm, Avocadospalten, frischer Koriander oder etwas zerbröselter Cotija-Käse machen aus der Suppe eine vollwertige Mahlzeit, die sowohl an geschäftigen Wochentagen als auch am gemütlichen Wochenende funktioniert.